Ein großes Thema für Bands ist die Sache: „Wie kommen wir zu unserem Konzert“.

Nach gut 15 Jahren als Musiker und Tontechniker habe ich schon einiges erlebt. Ich bin auch selber schon mit dem Schlagzeug auf dem Fahrradanhänger mitten im Dezember zum eigenen Gig geradelt! Fortgeschrittenere Hobby-Bands fahren auch gerne mit 5-6 PKWs zum Gig – wirtschaftlich totaler Blödsinn – aber da geht es oft um den Spaß, da darf das Hobby ruhig was kosten.

Wenn man aber als Band richtig viel spielen will und eine Karriere als Musiker verfolgt kommt man irgendwann an den Punkt, an dem man seine Einnahmen und Ausgaben pro Konzert irgendwie finanziell so hin bekommen muss, damit man zumindest nicht mehr drauf zahlt – im besten Fall einen Gewinn macht.

Band-Van

Hier greifen viele Bands dann zu sogenannten Band-Vans – Transportern / Kleinbussen mit genug Sitzplätzen für 5 – 9 Mann und einem Laderaum für Backline.

Am besten es lässt sich ALLES mit nur einem Fahrzeug transportieren. Das macht mehr Spaß und ist finanziell am günstigsten.

Hier mein eigener Band-Van mit 4er Rücksitzbank und Playstation.

Thema: Zuladung

Das große Problem bei diesen Band-Vans (Sprinter, Crafter, Master, Movano, Ducato, Transit, usw…) ist die Zuladung für diese Fahrzeuge. Meist zwischen 800 und 1200kg dürfen zugeladen werden. Wenn da jetzt 7 ausgewachsene Männer mit je 90kg drin sitzen sind wir schon bei 630kg Zuladung! Da bleibt nicht mehr viel Gewicht für Backline, Pult, Merch und persönliches Gepäck.

Zuladung berechnen

So findet ihr heraus wie viel Gewicht ihr in euren Band-Van laden könnt:

In der Zulassungsbescheinigung Teil 1 findet ihr unter „F.2“ das maximal zulässige Gesamtgewicht des KFZ sowie unter „G“ die Leermasse. Die Differenz ist theoretisch die mögliche Zuladung. Allerdings sollte man noch gut 150kg für Sprit, Fahrzeugausstattung, usw. abziehen.

Zuladung = max. Gesamtgewicht KFZ – Leermasse

Tetris stapeln im Bus. Möglichst alles muss irgendwie rein.

Was wiegt eigentlich eine Rockband-Backline?

  • Schlagzeug in Taschen und Hardware-Case ca. 120kg
  • 8×10″ Bassbox mit Topteil im Case ca. 130kg
  • 4×12″ Gitarrenbox mit Topteil im Case ca. 65kg
  • 12″ Gitarrencombo im Case ca. 50kg
  • E-Piano im Case ca. 25kg
  • Backdrop 6x3m LKW-Plane ca. 10kg
  • Merchandise-Case ca. 40kg
  • 4x E-Gitarren + 2x E-Bass im Koffer ca. 90kg
  • Kabelkiste mit diversen Kabeln, Stativen, Zubehör ca. 40kg
  • = 570kg

Dazu kommt noch das persönliche Gepäck jedes Mitfahrers. Bei ca. 25kg pro Person haben wir nochmal 175kg die irgendwie in das Fahrzeug müssen. Der Kasten Bier bringt nochmal 20kg auf die Waage.

Cases schützen Instrumente und Equipment – wiegen aber auch einiges!

Lieber in Sicherheit wiegen

Es ist nicht sehr Rockstar-Like – aber es macht Sinn vor Abfahrt mal das komplette Gepäck zu wiegen.

Alles was in den Bus soll, muss vorher gewogen werden.

Und am besten auf dem Gepäckstück / Case das Gewicht mit einem Aufkleber / beschriftetes Tape schriftlich fest halten. Macht euch eine kurze Exel-Liste und rechnet das Gewicht zusammen. Es ist erstaunlich wie viel Gewicht man zu jedem Konzert schleppt.

Einmal wiegen, einmal beschriften und schon hat man sich für künftige Konzerte schon viel Arbeit erspart.

Wiegen kann man Cases, Taschen und Mitfahrer ganz einfach mit einer Personen- oder einer Plattform-Waage. Wer ganz genau auf Nummer sicher gehen will der fährt einfach mit dem kompletten Fahrzeug samt Mitfahrer über eine KFZ-Waage.

Sicher auf Tour

Mit einem überladenem Tourbus zu fahren bedeutet:

  • deutlich längerer Bremsweg
  • Aufschaukeln bei Kurven oder Ausweichmanövern
  • raustreiben in engen Kurven
  • höheres Risiko zu schleudern
  • hohes Sicherheitsrisiko durch ein schwerfälliges und träges Fahrzeug

Schon bei 5% Überladung kann es bei einer Kontrolle zu Strafen kommen (je nach Land unterschiedlich bis hin zu Führerscheinentzug). Gerade in Österreich werde ich mit meinem Renault Master regelmäßig kontrolliert und über die Waage an der Autobahn geschickt, da solche Fahrzeuge zwischen 2,8 bis 3,5t haben und besonders gerne an Wochenenden kontrolliert werden wenn LKW-Fahrverbot herrscht.

Auch die Haftpflichtversicherung kann sich weigern einen entstandenen Schaden zu zahlen wenn der Unfall auf die Überladung zurück zu führen ist.

Zuviel Gewicht – was tun?

ANHÄNGER ist das Geheimnis! Einen kleinen 750kg (Gesamtmasse) Koffer-Anhänger darf man mit einem handelsüblichen Führerschein ohne Probleme am Fahrzeug ziehen. Damit schafft ihr Platz für weitere ca. 500kg Backline. Hier gibt es das Problem das ihr nicht schneller als 80 / 100 km/h fahren könnt. (Und Vorsicht, wenn euer Transporter eine LKW-Zulassung hat, dann gilt dieser mit Hänger als LKW-Gespann und unterliegt dem Sonntags- und Feiertagsfahrverbot!)

Für größere Anhänger benötigt man einen Anhänger-Führerschein und ein entsprechendes Zugfahrzeug das gewichtstechnisch einen entsprechenden Anhänger ziehen darf.

Ladungssicherung

Auch ein Thema das sehr unsexy ist! Das Geheimnis heißt: Formschlüssiges Laden. Sprich nur so hoch wie nötig zu stapeln und die komplette Ladefläche so ausnutzen, das nichts verrutschen kann. Oft gibt es mindestens einen in der Crew der der Kunst des Tetris stapelns mächtig ist und diese Aufgabe übernehmen sollte. Hier ein paar Tipps:

  • formschlüssiges laden
  • Cases mit Rollen sperren oder tippen
  • Gummi-Matten zum Unterlegen
  • Spanngurte oder Sperrstangen verwenden

Nur ein kleines Beispiel: Wir wurden mal auf der Fahrt Nachts von Hamburg nach München gleich zwei mal jeweils beim Tanken an der Autobahn von der Polizei kontrolliert. Personenüberprüfung, Drogenkontrolle, und ja die wollten auch in den Laderaum schauen. Hier zahlt es sich sofort aus wenn dieser ordentlich geladen und gesichert ist. Und dann sollte man unbedingt eine Kiste CDs griffbereit haben um diese zu verschenken. Happy End.

Bandbus Diebstahl

In den letzten Jahren kommt es leider immer öfter vor das komplette Band-Vans geklaut werden während die Band im Hotel schläft. Das ist ein massives Problem wenn die wirtschaftliche Grundlage einer Band (die Instrumente) plötzlich weg ist und keiner mehr Musik machen bzw. die Tour zu Ende spielen kann.

Mit super viel Glück findet man dann Monate später seine Instrumente im Internet zum Verkauf.

Deshalb hat mein eigener Band-Van KEINEN Aufkleber oder Fahrzeug-Beschriftung die auf den Inhalt des Fahrzeuges einen Hinweis gibt. Getönte Scheiben helfen den Blick in das Fahrzeuginnere zu verschleiern und es ist einfach auch wichtig nichts vorne im Fahrzeug liegen zu lassen, für das es sich lohnen würde das Auto aufzubrechen.

Es macht durchaus Sinn einen versteckten GPS-Sender im Fahrzeug zu installieren um sofort eine Info aufs Handy zu bekommen, sobald das Fahrzeug unerlaubt bewegt oder abgeschleppt wird.