Konzerte verlagern sich durch Covid-19 und die einhergehenden Versammlungs- und Veranstaltungsverbote ins Internet. Ob als Livestream oder Livesession Video auf Videoplattformen.

Wie bekomme ich einen besseren Sound für meinen Livestream

Mono, Stereo oder doch Binaural?

Wer mit einem Apple Gerät ein Video auf Instagram hochläd, wird schnell merken das dieses, wenn auch ursprünglich in Stereo gemixt, dort in Mono online gestellt wird. Spätestens jetzt macht man sich Gedanken darüber ob MONO ausreicht, oder ob Stereo doch besser wäre oder ob man nicht mit dem Virtual Reality Trend und 3D Audio geht.

Mono

Mono ist die einfachste und ursprünglichste Form der Audioübertragung. Ein Mikrofon = eine Schallquelle = ein Audio-Kanal = Mono.

Mono funktioniert überall, egal ob auf dem Smartphone-Lautsprecher abgespielt, am Küchenradio oder der kleinen Bluetooth-Box. Auch an großen Open-Air Bühnen wird teils Mono gemischt, damit auch wirklich jeder, egal wo er steht, ob Links oder Rechts von der Bühne das gleiche hört.

Musik in Mono auf einem (Stereo)-Kopfhörer angehört fühlt sich so an als ob man diese mitten im Kopf hört.

Ähnlicher Effekt bei guten und korrekt aufgestellten Stereo-Lautsprechern – das Mono-Signal auf beiden Lautsprechern gleich laut wiedergegeben wird zwischen den beiden Lautsprechern im Nichts geortet. (Phantom-Quelle)

Stereo

Stereo ist doppeltes Mono unterteilt in Links und Rechts, oder anders ausgedrückt:

Zwei Mikrofone = zwei Schallquellen = zwei Audio Kanäle = Links und Rechts = Stereo.

Spielt man ein Audio-Signal nur auf dem linken Kanal ab, so hört man Links. Spielt man ein Audio-Signal nur auf dem rechten Kanal ab, so hört man Rechts.

Nutzt man den Effekt der Phantom-Quelle und spielt ein Signal auf beiden Seiten von Stereo gleichlaut ab, hat man eine „Mitte“.

Um Audio-Signale zwischen Links, Mitte und Rechts zu verteilen muss man einfach nur unterschiedliche Lautstärke-Pegel der gleichen Audio-Quelle auf Links und Rechts schicken. In die Richtung des jeweiligen Kanals mit dem anteilig größeren Lautstärkepegel wandert das Signal stufenlos.

Dadurch verbessert sich die Wahrnehmung verschiedener Instrumente eines Musikstückes – man kann alles besser Differenzieren. Auf Lautsprechern können wir sogar die Positionen zwischen den Lautsprechern orten. Mit Kopfhörern haben wir trotzdem das Gefühl das alles zwar zwischen linken und rechten Ohr wahrzunehmen ist, aber trotzdem innerhalb unseres Kopfes 2-Dimensional statt findet.

Binaural

Binaural simuliert das natürliche Hören bei dem wir die Richtung verschiedener Schallquellen in unserem Umfeld orten können. (Laufzeitunterschiede zwischen linken und rechten Ohr bzw. akustische verzögerte Reflexionen vs. Direktschall) Man nimmt alle Schallinformationen gefühlt ausserhalb des Kopfes wahr – aus allen Richtungen. Das ist der große Unterschied zum Musik hören mit Kopfhörern in Stereo welches „im Kopf“ wahr genommen wird.

Musikmischungen dieser Art für Lautsprecher nennen sich Surround-Sound. Mit dem Kopfhörer Binaural, 3D Audio oder Immersive Audio.

Für Surround-Sound Mischungen benötigt man mehrere Audio-Kanäle die Signale an den jeweiligen Lautsprecher schicken die rund um den Hörer aufgestellt sind. z.B. bei 5.1 gibt es 6 Audio-Kanäle: Links, Mitte, Rechts, hinten Links, hinten rechts und das .1 ist der Subwoofer-Kanal.

Binaural Audio hingegen ist ein zweikanalig kodiertes Audio-Format, funktioniert wie das ebenfalls zweikanalige Stereo auf handelsüblichen Stereo-Kopfhörern und ist somit geeignet für jegliche Streaming- oder Video-Platform die zweikanaliges „Stereo“-Audio wiedergeben kann.

Warum jetzt 3D Binaural Audio?

Der gewaltige Unterschied liegt in der Wahrnehmung der Musik mit Kopfhörern. Stereo findet schlicht „nur“ in Kopf statt, bei 3D Audio nimmt man von „Aussen“ wahr – es fühlt sich an als wäre man mitten in der Musik.

Das macht 3D Audio so unfassbar eindrucksvoll und generiert deutlich schneller Gänsehaut als Stereo.

3D Kopfhörer-Mix vs. Lautsprecher

By the way, Binaurale Kopfhörer-Mixe können auch auf Lautsprechern abgespielt werden. Allerdings entfällt dabei der 3D Lokalisations-Effekt.

Binaurales Konzert auf einem Festival mit über 1.000 Funk Kopfhörern

Ist 3D Audio aufwändig?

Wer sich Gedanken darüber macht ob der technische Aufwand für 3D Audio Live Produktionen gegenüber normalem Stereo gerechtfertigt ist sollte sich folgende Frage stellen:

Warum gehen Musik-Fans auf Konzerte?

Warum 25 Euro für ein Konzert-Ticket ausgeben, in einer schwitzenden Menge stehen, meist länger auf den Konzertbeginn warten als das Konzert dauert – wenn man auch einfach das komplette Album kostenlos auf Spotify hören kann? So oft man will? Zuhause auf dem Sofa?

Na klar – es ist die Energie, das mitten Drin sein die ein Konzert zum Erlebnis werden lässt und Gänsehaut produziert. Und die Zuhause NICHT reproduzierbar und mit den Spotify Songs vergleichbar ist.

Warum aber sollen sich die Fans ein „Konzert“ auf dem Smartphone anschauen, das zwar eine Perspektive in das private Wohnzimmer des Musikers liefert, aber einen miesen Sound hat? Am Ende sogar weniger spannend ist als die Spotify-Songs die man zur Hintergrund-Beschallung im Alltag anhört…

Selbst für „normale“ Konzerte sind Musik-Schaffende mittlerweile gezwungen sich aussergewöhnliche Konzepte und Strategien zu überlegen um die Fans vom Sofa zu holen und aus der Masse an „normalen“ Konzerten heraus zu ragen und sich den Titel „die sind Live noch geiler als auf Platte“ zu erspielen.

Ausverkauftes Konzert

Wie also überzeugen, wenn der Fan bereits auf dem Sofa sitzt und womöglich sich das Konzert auf dem Smarphone ansehen soll?

Mit 3D, Binaural Audio oder Immersive Audio schafft man es auf der Audio-Ebene den Zuhörer direkt mitten in das Konzert zu stellen und völlig eintauchen zu lassen. Das baut die Distanz durch den Bildschirm ab und macht das virtuelle Konzert letztendlich zu einem aussergewöhnlichen Erlebnis.

Hier nochmal schnell erklärt und mit Hörbeispiel: